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Was sind eigentlich CMD – craniomandibuläre Dysfunktionen?

Was sind eigentlich CMD – craniomandibuläre Dysfunktionen?
10. März 2017 Dr. Stefanie Morlok

von Dr. Stefanie Morlok, München und Utting am Ammersee

Bericht aus einer CMD-Praxis (Praxis für Gnathologie, zahnärztliche Funktionsstörungen, Bissprobleme, craniomandibuläre Dysfunktionen – zahnärztlich und kieferorthopädisch tätige Zahnmedizinerin) in München und Utting am Ammersee, Dr. med. dent. Stefanie Morlok, Zahnärztin und Master of Science der Kieferorthopädie.

Welche Patienten können von einer CMD-Behandlung profitieren?

  1. Patienten mit chronischen Schmerzen (Kopf, Gesicht, Mund, Zähne, Kiefergelenke, Nacken, Schultergürtel, Arme, Hände, aber auch Patienten, die an einem anderen Körperteil Schmerzen haben und schon alles ausprobiert haben und die Bisskorrektur bzw., Schienentherapie noch als Option versuchen wollen), es kommen auch Kinder mit chronischen Schmerzen
  2. Patienten mit Schwindel
  3. Patienten mit Ohrproblemen, Hörstörungen, Tinnitus
  4. Patienten mit neurologischen Problemen (z.B. Tourettepatienten, Parkinsonpatienten, MS, Epilepsie), Bewegungsstörungen
  5. Kinder mit ADS, ADHS
  6. Patienten mit ungeklärten und austherapierten Augensymptomen
  7. Patienten mit ungeklärten und austherapierten orthopädischen Problemen
  8. Patienten mit ungeklärten und austherapierten HNO-Problemen (Hals, Nase, Ohren siehe oben)
  9. Patienten mit ungeklärten nervösen Zuständen, mit Schlafstörungen etc, wo ein Zusammenhang mit dem nächtlichen Pressen oder Knirschen gesehen wird oder ein Zusammenhang mit einer Zwangsbissführung.
  10. Schleudertraumapatienten (HWS-Schleudertrauma, aber auch Schleudertrauma des Kiefergelenks)
  11. Patienten die durch eine Schiene im Sport bessere Leistung erwarten
  12. Patienten mit Schlafapnoesyndrom oder obstruktivem Schnarchen und schwieriger Bisssituation und Ablehnung einer cpap-Behandlung (Maskenbehandlung)Was sind die Symptome einer CMD

Was sind die Symptome einer CMD?

Bitte beachten Sie die zu dem Artikel zugehörige Grafik, hier können Sie die Symptome sehen, die im Mund, im Gesicht, am Kopf, am Auge, am Ohr, an der Psyche, am Nacken, am Hals und am Körper relevant sein können.

Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) sind wie der Name schon sagt, Dysfunktionen und per se noch keine Krankheit. Der Begriff kommt von Cranium, der Schädel und Mandibula, der Unterkiefer und hier besteht dann offensichtlich eine Fehlfunktion in der Passung der beiden zueinander. Die CMD bestehen meist schon seit der Jugend. Der Organismus ist dann noch gut in der Lage, alle Probleme, die aus einer Biss- oder Kieferfehlstellung herrühren, zu kompensieren und es muss somit nicht zu einer Symptomenentwicklung kommen. Die Erkrankung in einer CMD entsteht meist durch Schwäche oder Krankheit in drei Bereichen und dann meist gleichzeitig in individuell unterschiedlicher Gewichtung. Diese drei Bereiche sind 1. Struktur (hier gehören die Zähne, die Kiefer, die Kiefergelenke, aber auch das Weichgewebe, die HWS und andere absteigende oder naheliegende Strukturen), 2. Der Stoffwechsel und 3. Die psychosoziale Situation. Eine CMD-Behandlung muss gleichzeitig alle diese 3 Aspekte berücksichtigen. Aus diesem Grund habe ich mich sehr mit der hormonellen Situation meiner Patienten beschäftigt. Ich habe festgestellt, dass wesentlich mehr Frauen an CMD erkranken, als Männer. Deshalb habe ich meine Masterarbeit dem Zusammenhang von CMD und Hormonen gewidmet. Hier ergab sich, dass durch Hormonschwankungen oder Hormonverluste scheinbar die Symptome einer CMD erst erscheinen oder zum Tragen kommen können. Eine besondere Rolle hierbei scheinen die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron zu spielen, was bei deren Defizit wohl zu Problemen im Kieferbereich führen kann. Der Kieferbereich, der Kiefergelenksbereich und der Nackenbereich, so muss man wissen, ist mit besonders vielen Hormonrezeptoren für Östrogen und Progesteron versehen. Kommt es zum Abfall der beiden, so scheinen Patienten bei vorliegendem CMD-Befund Symptome entwickeln zu können. Das Hormon Testosteron, das bei Männern in wesentlich höherer Dosis vorkommt, scheint protektiv gegen die CMD-Symptomatik zu wirken. Da es aber auch im Alter abfällt sowohl bei Frauen wie auch bei Männern, ist auch bei Männern CMD-Symptomatik durch Hormonabfall denkbar. Leider wurde zu hormonellen Defiziten im Zusammenhang mit CMD klinisch noch viel zu wenig geforscht. Meine Arbeit beschränkte sich auf einen wissenschaftlichen Literaturvergleich zu diesem Thema.

Es gibt Tests, um einzugrenzen, ob man an einer CMD erkrankt ist. Es gibt z.B. einen Schnelltest. Hier wird folgendes abgefragt: Ist die Mundöffnung asymmetrisch, ist sie eingeschränkt, gibt es Gelenkgeräusche, gibt es Geräusche, die durch einen Vorkontakt auf den Zähnen entsteht, ist die Kaumuskulatur empfindlich, wenn man sie abtastet, geht der Mund schief auf? Sind bei diesem Test zwei Punkte erfüllt, dann ist eine CMD wahrscheinlich, sind drei erfüllt, so ist sie sehr wahrscheinlich. Ich bevorzuge einen ausführlicheren und differenzierteren Test, den Sie auf meiner Homepage www.drmorlok.de finden können. Eine echte Diagnose von CMD kann man aber nur mit speziellen Untersuchungsmethoden und Befunderhebungen stellen. Hierzu gehören manuelle Untersuchungen des Kauapparates, Elektromyographie der Kaumuskulatur und der akzessorischen Kaumuskulatur, Kinematographie der Gelenkaktionen, Kontaktanalyse des Bisses elektronisch wie auch händisch, Modelle, die sowohl kieferorthopädisch wie auch funktionsanalytisch beurteilt werden. Eine kieferorthopädische Analyse mit Fotos und Röntgenbildern gibt einen dreidimensionalen Überblick über die Ursächlichkeit der Dysfunktion. Auch eine Körperhaltungsanalyse ist im Hinblich auf die Diagnose erforderlich.

Wie ist der Ablauf einer CMD-Behandlung?

Der erste Schritt ist ein Gespräch, in dem ich die Probleme des Patienten zu erfassen versuche, ich erhebe einen zahnärztliche Befund, benötige eine Panoramaaufnahme, erhebe einen manuellen Funktionsbefund, messe die Druckverhältnisse auf dem Biss, mache Abdrücke. Dann gibt es 1-2 Wochen später einen weiteren Beratungstermin, in dem ich die initialen Befunderhebungen mit dem Patienten bespreche, ihm die Behandlungsplanung und die -Kosten darlege. Natürlich erhält er Kostenpläne. Wie die Behandlung dann aussehen wird, kann man nicht pauschal festlegen, da das sehr individuell, je nach Befund- und Diagnoselage, bestimmt werden muss. Viele Patienten werden anfangs mit Aufbissbehelfen, wie Schienen etc. behandelt, andere erhalten eine Schiene gegen Schnarchen oder Apnoe, wenn dieser Nebenbefund besteht, andere benötigen parallel gleich kieferorthopädische Maßnahmen oder andere zahnärztliche Maßnahmen. Interdisziplinär arbeite ich mit Körpertherapeuten zusammen. Hierzu gehören Osteopathen, Physiotherapeuten, manuelle Therapie, andere spezielle Massagetechniken, Cranio, Übungen, Yoga, propriozeptive Fußsohlen, sportliche Betätigung, Ernährungsberatung und -lenkung, Coaching und Lebensberatung, Entspannungstherapie, Biofeedback, Stoffwechselregenerierung und wenn notwendig auch Substitution von fehlenden Hormonen (natürlich auch andere außer den Geschlechtshormonen), was aber ein Arzt vornehmen muss. Viele dieser Begleittherapien liegen außerhalb des zahnärztlichen Wirkens, weshalb natürlich die interdisziplinäre Arbeit wie auch deren Koordination sehr wichtig ist.

Wird jede CMD-Behandlung mit Schienen behandelt?

Bei der CMD besteht nicht nur eine Fehlposition der Zähne, Kiefer und Kiefergelenke, sondern auch Kopfgelenke und HWS stehen häufig in einer durch die CMD ausgelösten Fehlposition. Meist hat man stauchende Momente in die Kiefergelenke und die HWS. Diese strukturelle Problematik hat aber auch zur Folge, dass das Weichgewebe, nämlich z.B. Muskulatur (die meist verzerrt, verkürzt und in Fehlposition liegt), Haut, Fettgewebe, Blutgefäße, Nerven, Lymphgefässe, Bindegewebe, Faszien etc. alles nicht am richtigen Platz zu liegen kommt und das teilweise schon das ganze Leben lang. Des Weiteren hat man bei CMD eine ausgeprägte Symptomatik, nämlich die oben genannten Symptome, die ja sehr vielfältig sein können. Will man nun diese Symptomatik auflösen und zwar wirklich ursächlich, so muss man sowohl an dem ursächlichen Strukturfehler, wie auch an der Syptomatik selber Therapie betreiben. Erst durch eine Schiene kann diese Strukturblockierung quasi „virtuell“ in eine optimale Position entkoppelt werden. Diese Schiene muss dann mit körpertherapeutischer Begleitung immer wieder kontrolliert und neu angepasst werden, da das Weichgewebe und die Gelenke natürlich erst mal in der Entlastung zu arbeiten beginnen und sich an die neue Situation adaptieren können. Allein hierdurch können sich manche Symptome lösen wie z.B. Spannungsschmerz oder Lymphstau etc. Also ja, bei einer CMD-Behandlung wird meist eine Schienentherapie notwendig sein. Ich persönlich arbeite oft sogar mit zwei Schienen, eine Schiene für die Nacht, die höher gestaltet ist, um das Weichgewebe zu entlasten, zu harmonisieren, symmetrisieren und dreidimensional an die richtige Stelle zu bringen und eine Schiene für den Tag, mit der ich den richtigen Biss für später erarbeite. Wie lange diese Schienentherapie durchgeführt werden muss, hängt individuell von verschiedenen Faktoren ab. Als da wären Schweregrad der Symptomatik, Alter des Patienten, Konstitution des Patienten, Zustand der Kopfgelenke, Befund der Zahn- und Kieferfehlstellung und Mitarbeit des Patienten. In optimalen Fällen ist eine Symptomatikverbesserung oder -beseitigung innerhalb von 3-6 Monaten zu erzielen. Bei schwierigen Fällen kann es auch bis zu 2 Jahren dauern und es gibt auch Fälle, die nicht besser werden.

Hat man aber Erfolg in der Therapie, dann muss auch eine folgerichtige Konsequenz in der Behandlung gezogen werden. Lasse ich die Schienen einfach weg, dann ist ein Rezidiv sehr wahrscheinlich. Also sollte der Biss stabilisiert werden und das kann man durch neuen Zahnersatz, Erhöhung des bestehenden Zahnersatzes und/oder durch kieferorthopädische Maßnahmen erzielen. Ich persönlich versorge meine Patienten am Ende dieser Bissstabilisierung immer mit einer relaxierenden Nachtschiene, damit das Ergebnis auch wirklich stabil bleibt.

Welche anderen Ärzte oder Therapeuten sind notwendig, um eine CMD in den Griff zu bekommen?

In der Funktionsanalyse und Diagnosefindung überweise ich ins Kernspin, um Kiefer- und Kopfgelenke zu untersuchen inklusive deren Weichgewebe. Manchmal schicke ich zusätzlich ins Schlaflabor, wenn ich mit einem kleinen Screening eine Schlafapnoe herausgefunden habe. Nachdem eine Schiene erstellt wurde, überweise ich zum Osteopathen und je nach Anamnese und Behandlungsverlauf überweise ich zu HNO, Neurologe, Pneumologe, Internist, Orthopäde, Schlaflabor, Atemtherapie, Logopädie, Sprachtherapie, Heileurythmie, Ergotherapie, Psychotherapie, Heilpraktiker, Stoffwechselspezialist, Podoorthesiologe, Endokrinologe u.a..

Die CMD-Behandlung kann man auch mit naturheilkundlichen Methoden unterstützen.

Ich nehme Testungen durch Kinesiologie und Elektroakupunktur nach Voll vor, ich behandle mit Homöopathie, Isopathie, Bioresonanztherapie, Phytotherapie, orthomolekularer Therapie, Entgiftungsmaßnahmen, Darmsanierung, Ernährungsberatung, Lebensführungsberatung, Beratung bezüglich des Bettplatzes und der Schlafhygiene, Magnetfeldtherapie, Haltungsanalyse und -verbesserung (Posturologie), Craniosacraltherapie für Kopf und Gesicht, TENS (Transkutane Nervenstimulation), Biofeedbacktherapie zur Entspannung und Harmonisierung des autonomen Nervensystems, Biostimulation nach Nazarov zur Entspannung der Kaumuskulatur. Die Verbesserung des Stoffwechsels und/oder der energetischen Situation ist auch bei der CMD immer willkommen. Da ich auch anthroposophisch ausgebildete Zahnärztin bin, verwende sehr viele anthroposophische homöopathische Mittel, mit denen ich große Erfolge in der Therapie der Kaumuskulatur, der Kiefergelenke, der Zahnentzündungen etc. erleben durfte. Sehr interessant sind Homöopathika und Bioresonanz, wenn es um die Herd- und Materialtestung geht. Wenn ich hier negative Testergebnisse habe, dann gibt es eine Stufe, die mit Regulierungsmaßnahmen wieder zurückgeführt werden kann, d.h., dass durch Homöopathie und Bioresonanztherapie unter Umständen wieder eine bessere Verträglichkeit eines Materials, das ich vielleicht dringend für die zahnärztliche Behandlung brauche, erzielt werden könnte, oder dass eine Herdproblematik besser werden könnte.

Dr. med. dent. Stefanie Morlok, Zahnärztin und MSc der Kieferorthopädie, Schwerpunkt zahnärztliche Funktionstherapie, Gnathologie, Behandlung von CMD (craniomandibulären Dysfunktionen), www.drmorlok.de, München und Utting am Ammersee.